Sauerkirschsorbet mit Zimt nach Artusi

In dem Garten meiner Kindertage standen zwei Sauerkirschbäume,  naja eigentlich genauer gesagt Schattenmorellen. Als Kind waren es eben aber „nur“ Sauerkirschen. Kirschen, die nun leider nicht so süß und knackig waren und so schön von der Hand in den Mund wanderten wie die Knupperkirschen aus Nachbars Garten. Damals dachte ich mir oft, warum nur bloß hatte mein Vater keinen Süßkirschenbaum gepflanzt? Wenn ich heute an diese Bäume zurückdenke, sehe ich sie in einem anderen Licht. Die Bäume waren nicht groß, eher untersetzt und buschig. Im Frühling standen ihre biegsamen Zweige dicht mit schneeweißen Blüten und im Sommer trugen sie schwer mit ihrer reichen Ernte. So mancher Nachmittag wurde im Schatten dieser Bäume verbracht, spielend, mit Freunden, und in späteren Tagen in einer Hängematte, die Seele baumelnd den Bienen lauschend. Die beiden Bäume lieferten Kirschkompott, Kirschmarmelade und eingemachte Kirschen für ein ganzes Jahr. Sommer aus dem Glas, immer und immer wieder, wenn die Tage grau und kurz waren. Kirschen, so viel ausdauernder als die kurze Saison der Süßkirschen unseres Nachbarn. Artusis Kirschsorbet wurde zu einer kleinen Reise zurück in den Garten meiner Kindheit, zurück unter diese Bäume, zurück an den Kaffetisch mit Kirschstreuselkuchen, zurück in den dunklen kühlen Keller mit den gestapelten Gläsern von Kirschkompott und Marmelade mit etwas Zimt. Zuckersüße Erinnerungen an saure Kirschen. Das Rezept ist schlicht, schnörkellos, und vielleicht auch gerade deswegen so gut. Wie schön, dass ich den wundervollen Rezepten von Pellegrino Artusi bei der Mut Anderer begegnet bin, und wie schön das Rezept bei emikodavies gefunden zu haben. Ein Hoch auf die einzig wahre Kirsche!

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Der Mut Anderer

Sauerkirschsorbet mit Zimt nach Artusi: (ca. 3-4 Portionen)

500g Sauerkirschen
125g Zucker
100 ml Wasser
1/2 Zimtstange

Die Kirschen waschen. Eine halbe Hand voll halbieren und die Kerne entfernen. Die halbierten Kirschen mit 25g Zucker in einem Topf mit der Zimtstange leicht köcheln lassen, bis der Saft austritt und Sirup bildet. Beiseite stellen.

Die restlichen Kirschen über einem feinmaschigen Sieb mit den Händen zerdrücken, den Saft dabei auffangen. Die zerdrückten Kirschen durch das Sieb passieren, so dass nur noch die Kerne und Schalen zurückbleiben. Den Saft zusammen mit dem Zucker und dem Wasser aufkochen, die Zimtstange von vorher zugeben und mit dem Saft 2 Minuten köcheln lassen. Auf Raumtemperatur abkühlen lassen. Die Masse in ein verschließbares Gefäß füllen und im Gefrierfach über Nacht gefrieren lassen. Dann herausnehmen und mit einer Gabel lockern. Nochmals mindestens 4 Stunden gefrieren lassen. Danach sollte das Sorbet eine feine, fast cremige Konsistenz haben. Die halbieren Kirschen unterrühren und das Sorbet servieren.

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7 Kommentare zu “Sauerkirschsorbet mit Zimt nach Artusi

  1. Liebe Susanna,
    vielen Dank für’s Mitmachen, toll, ein Sauerkirschsorbet!

    Und lustig, ich habe fast die gleiche Erinnerung an die Kindheit wie Du: meinem Onkel gehörten die knackigen Kirschen, unser Baum war der Sauerkirsch (Weichsel-) baum, wohl weil die Onkelverwandtschaft die nicht mochte.
    Ich dagegen mochte sie sehr, aber die Süßkirschen waren tabu…..
    Es freut mich, dass Pellegrini Artusi Dein Interesse geweckt hat und vielleicht schaust Du ja die kommenden Events vorbei.
    Liebe Grüße
    Petra

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  2. Pingback: Zusammenfassung Blogevent Pellegrino Artusi - Der Mut Anderer.de - Der Mut Anderer.de

  3. Liebe Susanna,

    schön, solche Kindheitserinnerungen… Bei dir stoße ich auf so viele Schöne, dass man (ich) neidisch werden könnte 😉

    In meines Omas Garten stand BEIDES, der Baum mit Knupperkirschen, wie du sie so schön nennst und auch der Weichselbaum. Bei letzterem fragte ich mich genau wie du, warum man den eigentlich gepflanzt hat, war doch kein Vergleich zu den besten Kirschen des Stadtviertels vorne am Zaun, wo meist von draußen gerupft und gezupft wurde, noch bevor sie richtig reif waren, weil sie einfach unvergleichlich waren. Leider wurde dieser Baum genau aus diesem Grund (das Interesse der von der Hand in den Mund Diebe) irgendwann einfach gefällt. Meine Tante, die heute dort wohnt, fand es jedes Jahr einfach mühsam und wusste sich nicht zu wehren. Die Leute standen immer frecher auch direkt im Garten und bedienten sich. Tja, da ging er dahin…

    Liebe Grüße
    Marion

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