Angelfoodcake mit Erdbeercurd oder meine beste Erdbeertorte für Andreas

Oh jeh, oh jeh –  bereits zweimal ist dieser Beitrag leer rausgegangen. Entschuldigt bitte, das war nicht so geplant. Eine fiese Sommergrippe hat mich in den letzten Tagen ans Bett gefesselt und meine Blogplanung total durcheinandergewirbelt. Aber nun darf ich’s endlich mit Euch teilen, dieses sommerliche Tortenträumchen aus Erdbeercurd, fluffig zarten Angelfoodcake umhüllt von milder Joghurtsahne. Und ja, ich bin selbst noch immer richtig baff, was mir da geglückt ist, denn alles begann doch eher weniger traumhaft.
Aber nun mal von Anfang an: “ …und ich hab nur einen Wunsch: deine beste und leckerste Torte“ – ja genau, das war die Antwort meines Bruders auf meine Ankündigung ihn dieses Jahr zu seinem Geburtstag zu besuchen. Wuah! Meine beste und leckerste Torte?!? Angstschweiß, Panik, Hilflosigkeit –  TORTEN!?! – vor allem beste Torten – gehören die überhaupt zu meinem Repertoire? Es musste Jahre her sein, dass ich das letzte Mal eine klassische Biskuittorte gebacken habe und die Erinnerung daran war eher weniger rosig – eher bröselig, trocken und viel zu kompakt. Zudem erinnerte ich mich an geronnene Cremes, Wutausbrüche beim Teilen der Böden, Beschwörungsformeln beim Lösen des Tortenrings und Anschneiden der Torte, wieder gefolgt von allerlei ganz-und-gar-nicht-rosa-sahne-erbeerfarbengleichen Schimpftiraden wenn alles zu einem undefinierbaren Brei zusammenfloss. Ja, TORTE und ich, wir waren keine Freunde. Alle Gedanken kreisten aber nun um dieses klassische Biskuittorte, denn eine Zutat des Geburtstagswunsches stand zumindest schon mal fest: Erdbeeren, und zwar so richtig, richtig viele Erdbeeren. Wahre Legenden ranken sich um meinen Bruder und die Erdbeertorte, so soll er klassische Erdbeerpuddingböden schon in Gänze allein verschlungen haben. Erdbeeren müssen sein! Also musste mich Wohl oder Übel der Triade „Erdbeeren, Sahne und Biskuit“ stellen. Ich wälzte Backbücher, durchforstete Blogs und Websites und stolperte schließlich über:.. Angelfoodcake. Ein Boden nur aus Eiweiß, Zucker und Mehl – luftig, fluffig und zart solle er sein. Dies klang doch zu verlockend – und der Testbackversuch sollte es beweisen: dieser Boden war meine Rettung! Er geht super auf, ist nicht trocken und lässt sich superdünn mit einem schnöden Sägemesser in Böden teilen ohne zu zerbröseln. Heureka!  Klar, dass die passende Füllung und Hülle dazu mindestens ebenso luftig zart und schön cremig sein musste. Bei den Massen an Eigelb, mit dem einen dieser Boden zurücklässt, entschied ich mich für fruchtigen Erdbeercurd und hüllte das ganze in eine Sahne-Joghurtcreme. Das Resultat ist dieser wahrgewordene Tortentraum der auf der Zunge zergeht und cremig-sahnig-locker-erdbeerig-leicht schmeckt. Dass dieses Wundertörtchen zudem eine 3 Stunden Autobahnfahrt überstand und sich danach noch anstandslos schneiden ließ, ohne in ihre Einzelteile zu zerfließen, setzte dem Ganzen dann nochmal die Krone auf… Das kann also eine TORTE?! … hmmm….vielleicht sollte ich es dann doch noch mal überdenken… so mit mir und den Torten?

..und es ist doch selbstverständlich dass ich dieses Prachtstück auch gleich zu Yushka schicke…

Erdbeeren mit Sahne gehören zum Sommer wie Barfußlaufen.

Erdbeeren mit Sahne und Barfußlaufen oder anders gesagt – Sommer.

Angelfoodcake mit Erdbeersahnecurd (Springform 24 cm)

Teig:
10 Eiweiß
1 Prise Salz
175g Puderzucker
50g Zucker
125g Mehl Type 405
2TL Weinsteinbackpulver
etwas gemahlene Vanille

Erdbeercurd:
300g Erdbeeren
Saft 1/2 Zitrone
5 Eigelb
150g Zucker
70g Butter kalt, in kleinen Stückchen
2 Blatt Gelatine
200g Sahne

Joghurtsahne:
125g griechischer Joghurt
2 Blatt Gelatine
300g Sahne

Nappage und Deko:
300-400g Erdbeeren
50g Zucker
75g Wasser
etwas Zitronenschale
1EL Zitronensaft
2 Blatt Gelatine
Für den Boden den Ofen auf 180°C vorheizen. Den Boden einer Springform mit hohem Rand(!) mit Backpapier auslegen. In einer wirklich großen Schüssel die Eiweiße mit der Prise Salz schaumig anschlagen, dann den Zucker einrieseln lassen und so lange schlagen, bis das Eiweiß so steif ist, dass weiche Spitzen entstehen. Mehl und Weinsteinbackpulver mischen und über den Eischnee sieben und anschließend vorsichtig unterheben. Die Masse in die Springform füllen, mit einem Schaber durch die Masse ziehen, um Luftblasen zu vermeiden, dann glatt streichen. Den Boden auf einem Rost 2. Schiene von unten 40 Minuten backen bis die Oberfläche goldbraun ist. Stäbchenprobe nicht vergessen. Den Boden  zunächst 10 Minuten im ausgeschalteten Ofen stehen lassen. Dann einem Bogen Backpapier auf das Rost legen, die komplette Form umdrehen und so umgekehrt auf das Rost setzen. Den Boden im Ofen bei nur einem spaltbreit geöffneter Ofentüre vollständig auskühlen lassen – das soll den Boden vor dem Einfallen bewahren und hat auch relativ gut funktioniert.
Den erkalteten Boden aus der Form lösen und in 3-4 Teile teilen, je nachdem, was ihr bevorzugt.

Für das Curd die Erdbeeren putzen, kleinschneiden und mit dem Zitronensaft pürieren. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. In einer hitzefesten Schüssel die Eigelbe mit dem Zucker hellcremig aufschlagen. Einen Topf, auf dem die Schüssel bequem im Wasserdampf sitzen kann, mit Wasser aufsetzen und zum Köcheln bringen. Das Erdbeermus unter die Eigelbcreme rühren und die Schüssel auf das Wasserbad setzen. Unter beständigen Schlagen mit einem Schneebesen das Curd über dem Dampf aufschlagen bis es cremig dicklich wird, das dauert etwa 10-15 Minuten. Nimals aufhören mit dem Rühren, sonst gerinnt die Creme. Wenn dei Creme fertig ist die Schüssel von der Hitze nehmen, die Gelatine ausdrücken und in der warmen Creme auflösen. Zuletzt noch die Butterstückchen unterschlagen bis sie sich vollständig in der Creme gelöst haben.  Sollte das Curd noch sehr warm sein, das Ganze noch etwas weiter schlagen, bis es nur noch handwarm ist. Dann umfüllen und in den Kühlschrank stellen, bis das Curd anfängt zu gelieren. Dann nur noch schnell 200g Sahne steifschalgen und unter das Curd ziehen. Fertig. Nun kann es schon ans Zusammensetzen gehen. Dafür einen der Böden auf die Tortenplatte legen und einen Tortenring drumherum stellen. Einen Teil des Curds darauf streichen, dann nächsten Boden darauf  legen, wieder Creme und wieder Boden. Abschluss sollte der letzte Boden bilden.

Die Torte zum Festwerden etwa 3 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Für die Joghurtsahne Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und auf kleiner Hitze auflösen. Dann unter den Joghurt rühren und das ganze kurz kaltstellen, bis es beginnt zu gelieren. Dann 300g Sahne steifschlagen und unter den Joghurt ziehen. Die Torte aus dem Kühlschrank nehmen und mit der Joghurtsahne überziehen.

Ich habe die Erdbeeren obenauf noch mit einem dünnen Guss, einer so genannten Nappage überzogen. Damit glänzen die Erdbeeren besonders schön und sind zudem noch ein bisschen haltbarer. Dafür Zucker, Wasser, Zitronensaft und Zitronenschale zu einem Sirup aufkochen, vom Herz ziehen und etwas abkühlen lassen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und in dem warmen Sirup lösen. Die Nappage in den Kühlschrank stellen, damit diese etwas andickt. Die restlichen Erdbeeren nun putzen, abtrocknenn und durch die Nappage ziehen. Zunächst etwas abtropfen lassen und dann auf die Torte setzen. Am Ende habe ich die letzten 6 Erdbeeren mit der restlichen Nappage püriert und hatte damit noch etwas Fruchtpürree, um die Torte mit kleinen Tupfen zu dekorieren.

Alles nochmal mindestens 1 Stunde vor dem Servieren kaltstellen.

 

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18 Kommentare zu “Angelfoodcake mit Erdbeercurd oder meine beste Erdbeertorte für Andreas

  1. Das hörst sich wunderbar an. Aber lässt sich der Boden wirklich mehrmals teilen ohne zu zerbröseln *ungläubig guck* und er weicht auch nicht durch den Curd auf? *Nochmals ungläubig guck* Muss man was Spezielles dabei beachten?
    Fragen über Fragen, aber der Wunsch zum Nachbacken besteht 🙂

    Ingrid

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    • Also liebe Ingrid, 100prozentige Sicherheit wirst du nur durchs Ausprobieren bekommen :D. Der Boden wird sehr hoch, etwa 8 cm müssen es bei mirgewesen sein, wenn auch in der Mitte etwas eingefallen. Drei Böden lassen sich daraus aber locker schneiden. Und ganz gerade waren sie bei mir weiß gott nicht, was gar nicht schlimm ist, denn das Curd rückt ja alles wieder zurecht. Damit das Curd nicht zu flüssig wird, habe ich im Rezept Gelatine mit eingebaut, zusammen mit der geschlagenen Sahne ist die Füllung also eine luftige, cremige Mousse, da kann nichts durchweichen! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Nachbacken!
      Liebe Grüße,
      Susanna

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  2. liebe susanna,
    das warten hat sich gelohnt! das nenne ich mal ne torte ganz nach meinem geschmack, und das nicht nur weil kein rhabarber drin ist… der boden hört sich toll an. so ähnlich wie die konsistenz von friands, wo man auch immer mit übrigen eigelben dasteht.
    lecker. und danke,
    sabine

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    • Wusste ich es doch, mit Erdbeeren macht man viele glücklich :D… ja, der Vergleich mitden Friands ist gar nicht so abwegig, aber dieser Boden ist „schaumiger“, elastischer, denn hier ist ja kein weiteres Fett drin…für die Eigelbverwertung kann man auch gut mehr von dem Curd (ohne Gelatine und Sahne) machen. Das ist wirklich ein toller Brötchenaufstrich…oder einfrieren. Denn wenn ich richtig liege, steht schon das eine oder andere Rezept zur Eigelbverwertung hier in der Warteschlange 🙂
      liebe Grüße,
      Susanna

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  3. Eine tolle Geschichte mit dir und den Torten und dann dieses wunderschöne Erdbeer-Schaustück! Klasse und herzlichen Dank für deine Teilnahme am Calendar of Cakes im Mai!
    Herzliche Grüße,
    Yushka

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  4. Hach liebe Susanna,
    da ist dir ja wirklich ein richtiges Kunstwerk geglückt. Die Torte sieht einfach wunderschön aus. Ich bin ja auch großer Fan vom Angel Food Cake und bin auch immer so begeistert von der Konsistenz. Puhhh, 3 Stunden im Auto, ich hätte wohl Blut und Wasser geschwitzt. Ich wette, es hat sich gelohnt und es ist nichts mehr davon übrig. Wenn doch, kannst du mir ein Stückchen bringen? Sind auch nur ca. 3 Stunden von Berlin nach Hamburg 😉
    Ich hoffe, du bist deine Sommergrippe los (obwohl man von Sommer ja nicht sprechen darf :-D).
    Ich wünsche dir einen tollen Wochenstart!
    Liebste Grüße,
    Kimi

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    • Oh Kimi, ratz-fatz war die Torte alle – der Angelfoodcake machte seinem Namane da alle Ehre – so luftig leicht verspürten alle Esser doch kein schlechtes Gewissen beim Verspeisen einer üppigen Sahnetorte. Somit leider alles alle :(…die Grippe ist Gott sei Dank auf dem Rückmarsch, wird ja auch Zeit jetzt wo der richtige Sommer kommen soll. Ich hoffe, auch bei Euch wird es schöne, sommerliche Woche,
      liebste Grüße,
      Susanna

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  5. Liebe Susi! Auch wenn ich ja bekanntermaßen werdet ein Freund von Rhabarber noch Erdbeeren oder Himbeeren bin, hatte ich ja die Oberhammer tolle leckere Angel food Torte mit Maracuja curd und wie du weisst, war (nicht nur ich) hin und weg und total verliebt 😍
    Danke danke danke
    Bisous

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