Das Ende des Schweigens und kalt servierte chinesische Nudeln

Ich habe lange überlegt, ob ich mich diesem Thema auf meinem Blog widmen sollte. Politisches und Puderzucker zu vermischen erscheint mir eine heikle Angelegenheit. Die eskalierenden Ereignisse der vergangenen Wochen haben mir jedoch klargemacht: die Zeit des Schweigens und des Hinnehmens muss auf jeder Ebene enden. Wenn ich hier auch nur einen kleinen Backblog schreibe – ich habe eine öffentliche Plattform und damit die Verantwortung mich zu äußern, nicht nur im analogen Leben. Flüchtlingsheime brennen, tausende Menschen sterben auf winzigen Booten im Mittelmeer auf der Flucht vor Krieg und Hunger und auch direkt vor der Haustür passiert unaussprechlich Entsetzliches.  Braunes Gedankengut bahnt sich leise aber beständig wieder in unsere Mitte. Wegsehen über ein paar Verwirrte? Nein, das gilt nicht mehr –  das wurde in diesem Land schon einmal getan und wir sollten uns daran erinnern, wohin es führte. Wir müssen unsere Stimme dagegen erheben. Jetzt! Was macht uns also Angst? Der drohende Verlust durch Teilen? Der eigene soziale Abstieg? Eine Kriminalisierung durch Fremde? Sind das Fakten oder eher Propaganda? – Können wir wirklich unsere Türen verschließen, vor Menschen, die auf der Flucht vor Hunger und Not, vor Perspektivlosigkeit und Krieg ihr Leben riskieren? Ist der Zufall, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt geboren wurden, wirklich die Grundlage, auf der wir sagen können: all dies hier gehört uns? Worauf ist er aufgebaut, unser Wohlstand, unser Sozialsystem? Wissen wir, wer wirklich dafür zahlt?

Wir müssen Hinsehen und uns dieser Verantwortung stellen. Wir müssen nicht nur, wir können auch nicht mehr anders. Wer glaubt sich hier mit Mauern und Zäunen aus der Affäre ziehen zu können, der irrt gewaltig. Das ist nicht nur menschenverachtend, nein es ist auch glücklicherweise keine Mauer hoch genug, um ökonomische und politische Ungerechtigkeit langfristig zu trennen. Deutschland liefert hier in der eigenen Geschichte ein überaus schönes Beispiel. Aber Mauern verhärten die Fronten, machen uns blind, lassen Spielraum für Spekulationen, Lügen und Meinungsmache. Meinungsmache von braunen Meinungsmachern. Davon dürfen wir uns nicht leiten lassen. Wir können selber denken, mit unserem Verstand und vor allem mit unserem Herz!

Die Welt gehört allen. Also müssen wir jetzt reden – jetzt aufeinander zugehen, Grenzen und Ängste abbauen, diskutieren und diese Diskussion aktiv einfordern. Lösungen gilt es zu finden, keine Losungen. Sprecht es an, wenn ihr fremdenfeindlichen Populismus hört. Gönnt derartigem Gedankengut keinerlei Spielraum. Bezieht Stellung, setzt Euch ein gegen Ungerechtigkeit. Es gibt keine Alternative mehr, wenn wir nie wieder in brauner Angst leben wollen!

Deutschland ist bunt und soll es bleiben! Dafür müssen wir einstehen, dafür sprechen, uns positionieren – jeder Einzelne, auch wir Foodblogger. Conny hat es getan und viele Andere auch. Zahlreiche Links hat sie zudem gesammelt, Informatives, Unterstützendes und ich möchte es mit streuen, mit #deutschlandisstbunt. Also bin ich dabei mit einem weitgereisten Gericht – Liang Pi  mit Sauerteigbrot. Fusion im Essen die funktioniert – und so furchtbar banal es vor der aktuellen Situation auch klingt, es liegt einzig an uns, dass das, was auf dem Teller so wunder klappt, auch im wahren Leben funktioniert! Mein kleiner Beitrag dazu ist die Unterstützung von überdentellerrand.org als Fördermitglied. Ich hatte dieses Projekt schon mal vor ein paar Wochen ganz kurz vorgestellt. Was mit Kochkursen begann, hat sich mitlerweile auf viele andere Bereich ausgeweitet: Sport, DIY und vieles andere mehr. Gelebte, lebendige Integration auf Augenhöhe.

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Deutschlandisstbunt-Signet

Für dieses Gericht habe ich mich entschieden, da es der großen-kleinen  digitalen Welt auf instagram entspringt. Weltoffenes Teilen und Vernetzen mit Gleichgesinnten aus allen Ecken des Globus ist hier ein leichtes. Es ist wunderbar zu sehen, dass ein Hobby wie das Kochen, der Austausch darüber und  das Lernen vom Anderen spielend leicht Grenzen überwindet. Anja die ich hier traf, aktuell gerade im Umzug von Neu- nach Altengland, aß dieses kalte chinesische Nudelgericht mit Sesam und Gurken oft während ihrer Zeit in Peking. Ihre Liebe für Sauerteigbrot ließ sie den Tofu im Gericht durch Brot ersetzen und sie sagt der Geschmack ist verblüffend authentisch.

Liang Pi mit Sauerteigbrot (4 Portionen):

Dressing:
3 EL schwarze Sesampaste (oder Tahini)
4 Knoblauchzehen (ist viel, wer empfindlich ist nimmt weniger)
4 EL Chinkiang Essig (chininesischer schwarzer Essig)
1 EL brauner Zucker
1 EL Sesamöl
2 EL Erdnussöl
1 TL Chilliflocken
1 EL Reiswein
200 ml Brühe, evtl. noch etwas mehr

250g Sauerteigbrot, etwa 1 Tag alt, in mundgerechten Stücken, wer mag ohne Kruste (dann ist es tofuähnlicher)
500g Reisnudeln
1/2 Gurke
1 Bund Koriander
gerösteter Sesam

Alle Zutaten im Mixer zu einem Dressing verarbeiten. Das Dressing in eine große Schüssel geben, die Brotstücke darin wenden und ziehen lassen. Die Reisnudeln nach Packungsanweisung kochen. Währenddessen die Gurke in feine Streifen schneiden, den Koriander zerzupfen. Die Reisnudeln nach dem Kochen gut mit kaltem Wasser abspülen und zu dem Brot in die Schüssel geben. Die Gurken und 3/4 des Korianders dazu geben und alles, am besten mit den Händen, mischen. Etwa 30 Minuten ziehen lassen, nochmals gut mischen, wenn es zu trocken ist noch etwas mehr Brühe hinzugeben, mit dem restlichen Koriander und etwas Sesam bestreut servieren.

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6 Kommentare zu “Das Ende des Schweigens und kalt servierte chinesische Nudeln

  1. Pingback: Koofteh Noxodchi – نخودچی کوفته | Rambutan, Granatapfel & Orangenblüte

  2. Prima, dass du dich äußerst und über das Backen und Kochen hinaus siehst und schreibst ⭐
    So klare und gute Worte. Danke dafür!

    Besonders berührt hat mich: Was macht uns also Angst? Der drohende Verlust durch Teilen? Der eigene soziale Abstieg? Eine Kriminalisierung durch Fremde? Sind das Fakten oder eher Propaganda? – Können wir wirklich unsere Türen verschließen, vor Menschen, die auf der Flucht vor Hunger und Not, vor Perspektivlosigkeit und Krieg ihr Leben riskieren? Ist der Zufall, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt geboren wurden, wirklich die Grundlage, auf der wir sagen können: all dies hier gehört uns?

    Die inneren Mauern, zusammen mit einer anderen Mentalität, sind hier in der CH aus meiner Wahrnehmung ein ganz eigenes „Gebräu“ und ich bin sicher, auch hier steckt die Angst dahinter, das zu verlieren, was man als Status Quo so gerne halten möchte und zu besitzen sowie ein Recht darauf zu haben glaubt. Derweil aber gedankenlos über die Grenze nach D zum billiger Shoppen fährt, ohne an die einheimischen kleinen Händler zu denken, die dabei kaputt gehen, so dass sich die Landschaft insgesamt so oder so verändern wird.

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    • Liebe Marion, danke für deine Worte. Ich bin schon ein bisschen überwältigt ob des ganzen positiven Feedbacks, der vielen Likes und auch derer, die sich gleich hingesetzt haben und ebenfalls einen Post verfasst haben, so wie du. Sich umzuschauen, in sich hinein zu horchen und zu sehen, dass jede noch so alltägliche Handlung doch eine große Wirkung haben kann, wie ein Einkaufen gehen über der Grenze, fällt vielen doch nicht ganz leicht. Ich denke sich der Wirkung seiner Taten bewusst zu werden, ist aber der erste Schritt, der einem ganz logisch zu der Erkenntnis bringt, dass ein eigener Vorteil immer aus einer Benachteiligung eines anderen erwächst. Dieses „Bewusstmachen“ ist der erste Schritt zu sehen, dass jeder Teil eines großen Ganzen ist und auf Reaktion Gegenreaktion folgt. Die steigenden Flüchtlingszahlen sind nur die Gegenreaktion auf unseren westlichen Wohlstand, der sich auf der globalen politischen und ökonomischen Schieflage aufbaut. Der Glaube, hier noch langfristig am Status quo festhalten zu können, wird hoffentlich schwinden, statt in einer Einmauerung und gewaltsamen Konflikten zu Enden. Die Schweiz hat da sicher ihre besondere Stellung, aber ich hoffe, dass auch hier ein Umdenken irgendwann beginnen wird, muss es sicher auch irgendwann. Im Sinne der Menschlichkeit.

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      • Liebe Susanna (jetzt hab ich doch noch im Impressum geschaut, um dich persönlich ansprechen zu können),

        du hast sehr recht, mit jedem Wort, das du diesbezüglich sagst.

        Ich denke, es ist eine Frage des Bewusstseins und ich hoffe, es wird wachsen, so nach und nach, bei allen… Eben weil Wegsehen immer weniger geht.

        Es ist leichter, wenn man in einem kleinen Land und z.B. einem engen Tal lebt, nur von Hügel zu Hügel zu gucken und denken, anstatt darüber hinaus.

        Ich freu mich jedenfalls über Denker, Fühler und Aussprecher wie dich. Wir werden sehen, wie es damit weiter geht…

        Liebe Grüße
        Marion

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