Gebrannte Milchreistarte mit Rhabarber

Es gibt ja manchmal schon Dinge, die dulden seltsamerweise so rein gar keinen Kompromiss. Wenige Dinge, die haargenau so sein müssen, wie sie in unser Vorstellung existieren. Da gibt es kein: aber das ist doch fast das Selbe – ja, genau eben nur FAST. Wie einem Kleinkind steht uns dann die Enttäuschung über die versagte Erfüllung unseres Wunsches ins Gesicht geschrieben – natürlich zum Unverständnis unserer mittlerweile erwachsenen Umgebung. Dann sind wir plötzlich wie ein 3jähriges Kind, das sich zum Geburtstag ein ganz bestimmtes Spielzeug gewünscht hat, und zwar genau dieses, dieses ganz Bestimmte! Wieder und wieder wurden Eltern oder Großeltern penibel instruiert: GENAU dieses muss es sein und kein anderes. Und dann ist er da, der Geburtstag – selbstsicher und voller Vorfreude stürzen wir uns auf das liebevoll eingepackte Geschenk, reißen es ungeduldig auf – und dann: Schock – eingewickelt in schönstes Seidenpapier: der Kompromiss. 

Natürlich sind wir mittlerweile alle älter und weiser geworden, und wissen, dass nur wenige Dinge so richtig „schwarz oder weiß“ sind. Aber ab und zu gibt es sie noch – diese „Ganz-oder-Gar-nicht“ Momente. Manchmal eben auch in Form eines Rezeptes. Wie diese gebrannte Milchreistarte mit Rhabarber. Ist dieser Name nicht ein einziges süßes Versprechen auf mürben, zimtigem Teig, cremigen vanilligen Milchreis, frischen süß-sauren Rhabarber und oben auf eine zart knisternde Karamellkruste wie auf einer Creme brulee? Wahres Soulfood eben, denn natürlich bietet auch der Frühling diese kleinen kulinarischen Momente der Glückseligkeit. Insgesamt fünf Mal musste die Tarte gebacken werden, bevor mir das Rezept dieses Versprechen erfüllte. Aber nur so, und aber auch nur so darf die Tarte dann auch hier auf meinen Blog.

Diese Tarte ist damit ein wirklich würdiges Geburtstagsmitbringsel für Sias Blog , der aktuell seinen ersten Geburtstag feiert und sich sogar namentlich dem Soulfood verschrieben hat. Und ich bin mir sicher, Sia du wirst von dieser Tarte nicht enttäuscht ;-).

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Cremige Milchreisfüllung unter einer zartknisternden Karamellschicht

 

 

Der Knackpunkt an der Tarte ist der Milchreis. Der Reis muss wirklich vollständig ausgequollen sein, sonst wird die Füllung beim Backen zu fest. Also beim Zubereiten am besten zuerst wie beschrieben mit dem Milchreis beginnen. Eine Zubereitung des Milchreis am Vortag ist natürlich auch möglich. In den Mürbeteig kommt bei diesen Rezept ein Teelöffel heller Essig. Vielleicht ist es Einbildung, aber dieser Teig wird wirklich wunderbar mürbe – dann ist die Tarte zwar nicht wirklich transportstabil aber ein zu harter Teig würde für mich geschmacklich hier nicht passen.
Zum karamellisieren stellt sicher, dass euer Brenner noch genügend „Treibstoff“ hat. Ich musste meinen zwischendurch sogar Nachfüllen.

Gebrannte Milchreistarte mit Rhabarber (für eine hohe Tarteform 24 cm):

Milchreis:
125g Milchreis
400g Milch + 50g
400g Sahne
1 Vanilleschote
1 Prise Salz
25g Zucker
1 Ei + 1 Eigelb

Rhabarberkompott:
500g Rhabarber, geputzt gewogen
75g Zucker
3 EL Wasser
Saft einer halben Zitrone
1 Zimstange
20g Speisestärke mit 3 EL Wasser glattgerührt

Mürbeteig:
160g Mehl
1EL Zimt
½TL Salz
2EL Zucker
115g Butter, kalt
1TL weißer Essig
1 Eiweiß

für die Zuckerkruste 50g feinen Zucker

Für den Milchreis Milch, 200g Sahne, Zucker, Salz und ausgekratztes Mark und Vanilleschote aufkochen. Milchreis einstreuen und durchrühren. Mit geschlossenen Deckel den Milchreis auf kleiner Flamme 20 Minuten köcheln lassen. Der Reis sollte am Ende fast alle Flüssigkeit aufgesaugt haben. Weitere 200g Sahne unterrühren und den Milchreis auf der ausgeschalteten aber noch warmen Herdplatte etwa 1 Stunde ziehen lassen.

Für den Mürbeteig Mehl, Salz und Zimt in einer Schüssel mischen. Kalte Butter in kleinen Flöckchen zugeben und mit einer Gabel in den Teig einarbeiten, bis nur noch ganz kleine Butterstücke sichtbar sind. Essig hinzugeben und den Teig zu einer flachen Scheibe formen. in Folie verpackt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für das Kompott den geputzten Rhabarber in 1 cm große Stücke schneiden. In einem Topf Zucker, Zitronensaft, Zimtstange und Wasser aufkochen bis es sirupartig blubbert. Dann den Rhabarber hinzugeben und 10 Minuten mit wenig Hitze ziehen lassen bis er weich ist, vorsichtig ab und zu umrühren. Dann den Rhabarber in ein Sieb geben und den Saft auffangen. Saft nochmals aufkochen, Topf von der Herdplatte ziehen und die angerührte Stärke esslöffelweise (sonst gibt es Klümpchen) unter ständigen Rühren dazugeben, eventuell nochmal erhitzen und immer Rühren, bis sich ein dicker Pudding bildet. Den abgetropften Rhabarber zugeben, unterrühren und das Ganze abkühlen lassen.

Ofen auf 200°C Ober-Unterhitze vorheizen. Mürbeteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis von 28 cm Durchmesser ausrollen. Die Tateform damit auslegen und den Teig am Rand gut andrücken. Teig mit Backpapier belegen und mit Hülsenfrüchten beschwert 15 Minuten bei 200°C blindbacken. Dann die Form herausnehmen, das Backpapier vorsichtig abheben (wenn Teig am Backpapier haften bleibt, den Teig abstreichen und entstandene Löcher auffüllen). Die Teigoberfläche nun gleichmäßig mit den Eiweiß bestreichen und die Form nochmal bei 200°C für 5 Minuten in den Ofen geben. Danach die Temperatur auf 180°C herunterschalten.

Den Milchreis durchrühren, er sollte inzwischen wieder fast die gesamte Flüssigkeit aufgesogen haben. 50 g Milch, Ei und Eigelb unterrühren. Das Rhabarberkompott auf dem vorgebackenen Kuchen verstreichen. Milchreis vorsichtig drüber verteilen. Bei 180°C den Kuchen etwa 25 Minuten Backen, die Oberfläche sollte fest sein, die Mitte sollte aber noch etwas bei Erschütterung „wackeln“. Kuchen mindestens 4 Stunden oder über Nacht bei Raumtemperatur vollständig auskühlen lassen.

Die Tarte erst kurz vor dem Servieren karamellisieren. Dazu den restlichen Zucker gleichmäßig auf der Oberfläche der Tarte verteile und mit einem Gasbrenner abflämmen bis der Zucker flüssig wird und karamellisiert. Die Tarte sofort servieren

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6 Kommentare zu “Gebrannte Milchreistarte mit Rhabarber

  1. Liebe Susanna,
    ich kann dich absolut verstehen. Manchmal reicht ein fast nicht aus und es muss so sein wie es zu sein hat! Das geht mir auch oft so! Ich freue mich trotzdem sehr, dass du hartnäckig geblieben bist, denn die Tarte sieht traumhaft lecker aus 🙂 Das ist super Soulfood. Vielen Dank für deinen Beitag.
    Viele liebe Grüße
    Sia

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